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Dank Folientunnels praktisch kein Einsatz von Pflanzenschutzmittel nötig. Foto: Toni Widmer

(bva) Der juristische Streit um zwei Folientunnelanlagen im Seetal und die damit verbundenen Fehlinformationen von Umweltschutzverbänden demonstrieren exemplarisch die komplexen Herausforderungen für die moderne Landwirtschaft. Der BVA ortet einen dringenden Handlungs- und Aufklärungsbedarf.

Wie der Baurnverband Aargau in einer Medienmitteilung schreibt, habe die Schweizer Landwirtschaft den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln in den letzten zehn Jahren um 26.8 % reduziert. Beim Glyphosat betrege der Rückgang gar über 55 %. Gleichzeitig sei der Absatz biologischer Pflanzenschutzmittel um 41.6 % gestiegen. Fazit: «Die Bauern stellen auf biologische Mittel um, kommen aber nicht um einen Schutz herum, da sonst die ganze Ernte oder zumindest die Qualität gefährdet ist.» Der Vorstand des BVA hat sich an seiner letzten Sitzung grundsätzlich mit dem Thema Schutz von landwirtschaftlichen Kulturen vor Schädlingen und Krankheiten befasst. Er will an der kommenden GV ein umfangreiches Massnahmenpaket verabschieden, um den Schutz der Kulturen nachhaltig sicherzustellen und gleichzeitig die Umweltbelastung weiter zu reduzieren. Eine wirksame Möglichkeit, so der BVA, sei dabei der mechanische Schutz mit Folientunnels.

Netze und Folien schützen Baum, Blüte und Früchte
Bei Obstanlagen schützen Netze vor Schädlingen wie der Kirschessigfliege. Bei Aprikosenanlagen wie jenen im Seetal schützen Folientunnels die Kultur vor Feuchtigkeit, die den Nährboden für bakterielle Erreger wie Pseudomonas oder den Pilz Monilia bilden. Damit kämpfen Bauern in allen Anbaugebieten im In- und Ausland. Die Behauptung der Umweltschutzverbände, so der BVA, dass sich Aprikosen im Freiland nicht kultivieren liessen und auf «künstliche» Bedingungen im Folientunnel angewiesen seien, sei falsch. Das würden auch zahlreiche weitere Aprikosenanlagen im Aargau beweisen, die nicht mit einem ganzjährigen Folientunnel geschützt seien. Die betroffenen Obstbauern hätten mit den Folientunnels ihre Kultur einzig vor Krankheiten und Schädlingen geschützt.

Umweltverbände informieren
Der BVA wird an der nächsten Sitzung der Konferenz der Aargauer Natur- und Umweltschutzorganisationen (KANUSO) die Zusammenhänge und Hintergründe des mechanischen Pflanzenschutzes erklären. Die Folientunnels dienten nämlich einem gemeinsamen Ziel von Umweltschutzverbänden und BVA: Der weiteren Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln oder gar deren Verzicht. Ein Streitpunkt bei den Seetaler Aprikosenkulturen betreffe den Standort der zwei Anlagen.

Standorte gut gewählt
Der BVA ist klar der Meinung, dass die Standortwahl sehr wohl gut abgewogen wurde. Die Anlage in Egliswil sei unmittelbar neben eine bereits bestehende Kirschenanlage gestellt worden, die ebenfalls mit einem Witterungsschutz ausgestattet sei. Der BVA: «Hätten die Folientunnels ausserhalb der Landschaft von kantonaler Bedeutung (LkB) platziert werden müssen, wäre nur der Standort auf der anderen Seite der Kirschenanlage in Frage gekommen. Dort wäre die Anlage nicht nur stärker in Erscheinung getreten, es hätten auch bestehende Hochstammbäume gefällt werden müssen und eine artenreiche Biodiversitätsförderfläche wäre der Anlage zum Opfer gefallen. Auch der Standort der zweiten Anlage in Seengen ist gut gewählt. Die Tunnels stehen unmittelbar neben dem Betrieb, der sich am Rande der Landschaftsschutzzone befindet. So präsentiert sich ein kompaktes und gesamtheitliches Bild.» Der BVA ist deshalb überzeugt, dass das Verwaltungsgericht den Bauern Recht geben wird und die Anlagen so stehen bleiben können.

Keinen negativen Einfluss auf Seelandschaft
Der Bauernverband weiter: «Beide Anlagen stehen nicht in der unmittelbaren Nähe des Sees. Sie fallen deshalb auch nicht unter das Hallwilersee-Schutzdekret. Die Anlagen sind auch nicht vom See aus erkennbar, wie man aufgrund der Kommunikation der Umweltverbände annehmen müsste.» Erfreut ist der BVA ob der Reaktion aus breiten Teilen der Bevölkerung, die durchaus nachvollziehen könne, dass eine Produktion mit weniger bis keinem Pflanzenschutzmitteleinsatz allenfalls landschaftliche Eingriffe nötig mache. Wenn sie wie in den vorliegenden Fällen sorgfältig eingebettet seien, werde dies auch breit akzeptiert.

Weg Richtung noch mehr Nachhaltigkeit konsequent weiter gehen
Die gesellschaftliche Erwartungshaltung an die landwirtschaftliche Produktion, beste Qualität zu einem günstigen Preis und ohne Umwelteinwirkung zu bekommen, sei widersprüchlich. Der BVA setze deshalb alles daran, aufzuzeigen, dass es ohne Schutz nicht geht oder das Risiko für Ernteausfälle und Qualitätseinbussen zu gross sei. Die Ernährungssicherheit würde damit aufs Spiel gesetzt und die Importabhängigkeit aus weniger nachhaltiger Produktion erhöht. Der BVA will aber trotzdem freiwillig weitere Massnahmen ausarbeiten, um die Einwirkungen auf die Umwelt noch weiter zu reduzieren. Er geht dabei zusammen mit den Bäuerinnen und Bauern den bereits seit Jahren eingeschlagenen Weg Richtung noch nachhaltigerer Produktion konsequent weiter. Der Verband ist zuversichtlich, dass die Gesellschaft und in Kenntnis der Fakten auch die Umweltverbände diesen Weg mittragen, weiterhin Schweizer Produkte bevorzugen und bereit sind, einen Mehrpreis für nachhaltige Produkte zu bezahlen.

Unser Bild: Dank Folientunnels praktisch kein Einsatz von Pflanzenschutzmittel nötig. Foto: Toni Widmer
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